Pflegegrade

Derzeit sind rund 2,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Anzahl der Pflegebedürftigen in Zukunft rasant ansteigen. Immer mehr Menschen werden Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhalten. Bisher orientierte sich die Leistungshöhe an den Pflegestufen. Seite 1.1. 2017 ist die Höhe der Leistungen vom Pflegegrad abhängig sein.

Pflegestufen bestimmten bisher die Leistungshöhe

Pflegebedürftige haben Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Voraussetzung dafür war bisher die Zuordnung in eine der drei Pflegestufen. Die Pflegestufe 1 galt immer dann, wenn eine erhebliche Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. Dazu war ein Hilfebedarf von mindestens 90 Minuten pro Tag notwendig. Menschen mit einer schweren Pflegebedürftigkeit und einem Hilfebedarf von mindestens 3 Stunden täglich, erhielten die Pflegestufe 2. Bestand pro Tag ein Pflegebedarf von mindestens 300 Minuten, von denen mindestens 240 Minuten für die Grundpflege verwendet wurden, war die Pflegestufe 3 gewährt. Zusätzlich zu diesen drei Pflegestufen erhielten Versicherte Leistungen nach der Pflegestufe 0, sofern eine eingeschränkte Alltagskompetenz sowie ein Bedarf an Grundpflege bestand.

Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung reichten jedoch in allen Pflegestufen nicht aus, um die Pflegekosten vollumfänglich zu decken. Durch eine zusätzliche Absicherung konnte man sich vor der Kostenlücke schützen, die in jeder Pflegestufe entstand, wenn die Pflegekosten ausschließlich mithilfe der gesetzlichen Pflegeversicherung abgedeckt wurden.

Pflegegrade statt Pflegestufen

Seit 2017 ist das System der gesetzlichen Pflegeversicherung geändert. Aufgrund der Pflegereform von 2015 wurde die bisherige Einstufung in Pflegestufen durch die Einteilung in Pflegegrade ersetzt. So wird es zukünftig insgesamt fünf Pflegegrade geben. Während sich die bisherige Einstufung in die einzelnen Pflegestufen am Zeitaufwand für die notwendigen Hilfeleistungen orientierte, wird die Einstufung in Pflegegrade in Zukunft am Grad der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen festgemacht.

Pflegebedürftige, die in ihrer Selbstständigkeit nur in geringem Maße beeinträchtigt sind, werden seit 2017 in den Pflegegrad 1 eingruppiert. Ist die Selbstständigkeit erheblich beeinträchtigt, besteht ein Leistungsanspruch gemäß Pflegegrad 2. Um Leistungen nach Pflegegrad 3 zu erhalten, muss seit 2017 eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit vorliegen. Pflegegrad 4 wird bei einer schwersten Beeinträchtigung gewährt. Zum Erhalt des Pflegegrad 5 müssen zusätzlich zur schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit an die pflegerische Versorgung besondere Anforderungen gestellt werden.

Kostenlücke trotz mehr Transparenz

Die Neueinteilung in Pflegegrade führt viele Pflegebedürftige zu höheren Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die meisten Leistungsempfänger aus der gesetzlichen Pflegeversicherung waren der Pflegestufe 1 zugeordnet. Insbesondere Pflegebedürftige mit Demenz werden in Zukunft leichter einen höheren Grad und damit höhere Pflegeleistungen erhalten, als dies bisher mithilfe der Einteilung in Pflegestufen möglich war. Dennoch wird auch die zukünftige Regelung nicht zur Deckung der Pflegekosten ausreichen, sodass eine zusätzliche private Vorsorge auch nach Umsetzung der Pflegereform 2017 unabdingbar ist, wenn Eigenleistungen vermieden oder verringert werden sollen.