Dramatischer Anstieg bei der Pflegebedürftigkeit bringt das gesetzliche System ins Wanken

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt dramatisch an. Nach Informationen aus dem Bundesministerium für Gesundheit erhielten im Jahr 2015 mehr als 2,8 Millionen Menschen Leistungen aus den Pflegekassen. Das sind 100.000 Pflegebedürftige mehr als im Vorjahr. Die soziale Pflegeversicherung gab dafür allein 2015 insgesamt 29,1 Milliarden Euro aus. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: In den nächsten zwei Jahrzehnten werden die Zahlen ungebremst weiter nach oben gehen. Bis zum Jahr 2030 wird es etwa 60 Prozent mehr Menschen geben, die Betreuung brauchen. Nach Modellrechnungen aus dem Gesundheitsministerium werden dann 3,4 Millionen Menschen regelmäßig Pflegeleistungen brauchen. Die Belastungen für die soziale Pflegeversicherung steigen.

Menschen werden immer älter

Die Ursache dafür ist die steigende Zahl älterer Menschen. Was als großer Fortschritt gewertet werden kann, hat eine erschreckende Kehrseite. Denn das Verhältnis zwischen Älteren und Jüngeren verschiebt sich zulasten junger Menschen. Die Zahl der über 60-Jährigen wird bis 2030 um rund auf 28,4 Millionen, die der mehr als 80-Jährigen auf 6,3 Millionen wachsen. Und selbst wenn die Zahl derjenigen konstant bliebe, die in die die soziale Pflegeversicherung einzahlen, verliert das System seine Balance. Die Pflege wird immer teurer, die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegekasse steigen kaum. Wenn Menschen immer mehr Leistungen brauchen, geht es ohne zusätzliche Absicherung durch eine private Pflegeversicherung kaum noch.

Schon heute müssen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen tief in die Tasche greifen, um die Kosten der Pflege einigermaßen stemmen zu können. Die soziale Pflegeversicherung, mit der die Ausgaben aufgefangen werden sollen, ist eine Teilkaskoversicherung. Das bedeutet, sie kommt nur für einen Teil der durch die Pflege verursachten Kosten auf. Deshalb liegt der Eigenanteil an den Ausgaben bereits jetzt sehr hoch. In der ambulanten Pflegestufe I müssen Menschen im Durchschnitt jeden Monat 1.500 Euro selbst zu ihrer Pflege dazu zahlen. In der höchsten Pflegestufe III nähert sich der monatliche Eigenanteil bei der ambulanten Pflege bereits der Marke von 2.000 Euro. Im stationären Bereich macht der Eigenanteil aus den Taschen Pflegebedürftiger schon mehr als die Hälfte der gesamten Kosten aus. Weil die Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung real immer weniger wert sind, werden auch in Zukunft die Eigenanteile anwachsen. Ohne eine private Pflegeversicherung, die einen großen Teil der Kosten decken könnte, drohen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen in soziale Not zu geraten.

Neue Regeln ab 2017

Für die Einstufung in die soziale Pflegeversicherung gelten ab 2017 neue Regeln. Dann werden aus den bisher geltenden drei Pflegestufen fünf Pflegegrade. Der Gesetzgeber beruhigt Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, dass es ihnen durch die Umstellung nicht schlechter gehen soll. Für Menschen, die zukünftig Pflegeleistungen benötigen, gibt es jedoch beunruhigende Zeichen. Wer an körperlichen Einschränkungen leidet, wird es bald schwerer haben, in einen Pflegegrad eingruppiert zu werden. Für Menschen in stationären Einrichtungen sinkt nach 2017 der Anteil der Kosten, den die soziale Pflegeversicherung übernimmt. Ihr Eigenanteil wird dagegen weiter wachsen.

Pflegereform 2017

Weitere Informationen zur Umstellung auf das neue Pflegesystem:
Pflegereform: Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff verdrängt die Minutenpflege

Private Absicherung ist nötig

Eine private Pflegeversicherung ist das richtige Mittel, finanzielle Lücken im Pflegefall zu schließen. Wollen Sie selbst bestimmen, wofür Sie das Geld im Pflegefall ausgeben, bietet sich als private Pflegeversicherung eine Pflegetagegeldpolice an. Diese zahlt Ihnen pro Tag die vereinbarte Summe. Als Ergänzung für Ihre soziale Pflegeversicherung empfiehlt sich auch eine Pflegerente. Je früher Sie private Pflegeversicherung abschließen, umso besser. Ihr Eintrittsalter beeinflusst die Beiträge für die private Pflegeversicherung.

Sichern Sie ausreichende Leistungen in den einzelnen Pflegegraden ab. Auch für den Fall einer Demenz sollten Sie gut vorsorgen. Pflegekräfte kosten Geld, das Ihnen eine private Pflegeversicherung vereinbarungsgemäß zahlt. Achten Sie auf die Vertragsbedingungen. Positiv sind Vereinbarungen, nach denen Sie als Pflegebedürftiger keine Beiträge mehr zahlen. Dennoch sollten die Leistungen regelmäßig steigen.

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